Elterninfo
Die Altersfreigaben der FSK - das ist Ihnen sicher bekannt - dienen dem Schutz von Kindern und Jugendlichen und sollen gewährleisten, dass diese durch Filme nicht in ihrer Entwicklung beeinträchtigt werden. Die Freigaben sind allerdings nicht mit pädagogischen Altersempfehlungen zu verwechseln, die - wie in diesem Fall - durchaus nach oben abweichen können, was nicht zuletzt daran liegt, dass bei Empfehlungen feiner differenziert werden kann als bei den vier Einstufungen der FSK. Dennoch hat die Empfehlung nur orientierenden Charakter, da interindividuelle Unterschiede bei der Medienrezeption eine große Rolle spielen können. Letztlich können Sie Ihr Kind wohl am besten einschätzen - die Elterninfo soll Ihnen helfen, auch den Film einzuschätzen.
Dass wir die Sichtung der ersten Harry-Potter-Verfilmung erst ab einem Alter von 8 Jahren nahe legen, hängt mit der kognitiven Entwicklung von Kindern zusammen, die sich darauf auswirkt, welche Ängste in einem bestimmten Alter typisch sind. Patti M. Valkenburg, Professorin für Kommunikationswissenschaft an der Universität in Amsterdam, hat die Forschungsergebnisse in diesem Bereich anschaulich zusammengefasst.
So weiß man, dass Kinder zwar schon im Alter von 3 oder 4 Jahren beginnen, zwischen Phantasie und Realität zu unterscheiden, wenn sie aber ängstigende fiktionale Medienprodukte sehen, sind sie erst ab einem Alter von 7 Jahren zunehmend dazu in der Lage, die Informationen über den Realitätsstatus eines Medienprodukts eigenständig zu nutzen. Mit der größeren Fähigkeit, zwischen Phantasie und Realität zu unterscheiden, geht auch die Veränderung typischer Ängste einher: Während die Angst vor „Monstern“, also Phantasiewesen, schnell zurückgeht, steigt die Angst vor realistischen Bedrohungen. Vor diesem Hintergrund ist sicher verständlich, dass trotz der FSK-Freigabe ab 6 Jahren von einer Sichtung des Films „Harry Potter und der Stein der Weisen“ vor dem Alter von 8 Jahren abzuraten ist. Vor allem Monster wie der dreiköpfige Hund „Fluffy“, aber auch das erste Zusammentreffen mit Lord Voldemort, bei dem Professor Quirrell unter Harrys Berührung dampfend zu Staub zerfällt, könnten jüngere Kinder stark ängstigen. Auch wenn 8-Jährige diese Szenen sicher ebenfalls „zum Fürchten“ finden, können sie die Geschichte doch eindeutig in die Sphäre der Phantasie einordnen.
Insgesamt sind gruselige Szenen im ersten Teil der Harry-Potter-Verfilmungen auch noch vergleichsweise rar gesät. Der Fokus des Films liegt auf der Entdeckung der „magischen Welt“ und der ungeahnten Fähigkeiten Harrys, sowie auf der beginnenden Freundschaft Harrys zu Hermine und Ron. Die Betonung der Glücks, das Harry erlebt, der in seinem bisherigen Leben in liebloser Umgebung aufwuchs und keine Freundschaft kannte, sowie sein freudiges Staunen dominieren über die bedrohlicheren Szenen des Films. So wird nach der nervenaufreibenden Begegnung mit Voldemort darauf geachtet, mit positiven Szenen anzuschließen und dem glücklichen Ende einen großen Raum zu geben: Ausgiebig werden Harry und seine Freunde für ihren Mut gefeiert. Trotz der (mit)erlebten Schrecken entlässt der Film derart mit einem bestärkenden, zuversichtlichen Grundgefühl. Aufgrund dieser ausgleichenden Passagen rechtfertigt sich auch die Länge des Films, die für die geringere Aufmerksamkeitsspanne von Kindern sicherlich eine Herausforderung darstellt.
Link zu den Alterseinstufungen der FSK:
http://www.spio.de/index.asp?SeitID=18
Literaturtipp für medienpsychologisch interessierte Eltern:
Patty M. Valkenburg: Children‘s Responses to the Screen. A Media Psychological Approach. Routledge 2004
Weitere Informationen zu diesem
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Dieser Film hat von der Deutschen Film- und Medienbewertung (FBW) das
Prädikat
„wertvoll“ erhalten. Die Begründung finden Sie hier.
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Ein toller Film.