Filmlexikon

Achsensprung

Stell dir vor zwei Schauspieler, ein Mann und eine Frau, sitzen auf einer Bühne, wie beim Theater. Wenn du mit Kreide einen Strich auf den Boden ziehst und die beiden Schauspieler miteinander verbindest, entsteht eine Linie zwischen den beiden. Die  Schauspieler schauen sich beim Reden an, deswegen wird diese Linie zwischen den Schauspielern auch Blickachse genannt.  Im Theater sehen wir die Szene nun von unserem Stuhl aus. Als Filmemacher ist das aber schnell langweilig, du willst den Schauspieler ja auch in die Gesichter schauen, wenn sie miteinander reden. Das muss dir die Kamera zeigen und dabei kommt nun die Blickachse ins Spiel, weil die Szene in zwei Einstellungen gedreht werden muss. Die eine Einstellung zeigt die Frau, die andere den Mann. In der Montage schneidest du die beiden Einstellungen so zusammen, dass die Schauspieler abwechselnd miteinander sprechen. Wenn die Frau mit dem Mann spricht, sieht man die Frau und umgekehrt, wenn der Mann zu der Frau spricht, sieht man den Mann. Ziehe jetzt mit der Kreide einen Halbkreis von einem Ende der Linie zum anderen. Die Kamera muss immer auf der Seite des Halbkreises stehen. Die Kamera darf sich nur auf diesem Halbkreis bewegen. Sobald jedoch die Kamera für eine Einstellung über die Blickachse springt, also dort wo kein Halbkreis aufgezeichnet ist, schauen sich im fertigen Film die Schauspieler nicht mehr an. Beinahe wirkt es, als ob einer von beiden sogar bewusst wegschaut. Ein Fehler, der die ganze Szene ruinieren kann! Da ein Halbkreis 180 Grad misst, heißt diese Regel in der Filmsprache 180 Grad Regel.

Bild vom Achsensprung