Filmlexikon

Stummfilm

In der Frühzeit des Kinos hatte man noch keine Möglichkeit, zusammen mit dem Bild auch den Ton aufzunehmen oder hielt es für zu teuer und unnötig; in diesem Sinne also waren die frühen Filme „stumm“. Man hörte zum Beispiel die Schauspieler nicht sprechen, keinen Straßenlärm oder Pferdegewieher.

Wenn im Film unbedingt eine Erklärung notwendig war oder jemand etwas sagen sollte, konnte man zwar eine schwarze Tafel mit dem Text filmen, aber du kannst dir denken: Für lange Gespräche hat sich der Film damals noch nicht geeignet.

Dass der frühe Film stumm war, heißt aber noch lange nicht, dass es im Kino leise war! Ein Klavierspieler im Kino begleitete den Film musikalisch - manchmal war es sogar ein Orchester. Eine tolle Erfindung war die Filmorgel, auf der ließ sich nämlich nicht nur Musik spielen.

Mit der Filmorgel konnte man auch eine Menge Geräusche nachahmen: Regenprasseln, das Tuten einer Eisenbahn, Donner, eine Autohupe, Vogelzwitschern und vieles mehr. Auch heute noch finden regelmäßig Aufführungen von Stummfilmen mit musikalischer Begleitung statt, so dass du miterleben kannst, wie eine Filmaufführung früher gewesen sein muss.

Für Expertinnen und Experten

Als schließlich der Ton zum Film kam, brachte das eine Unmenge an Veränderungen mit sich: Es entstanden neue Filmarten, die Geschichten veränderten sich und auch die Art, einen Film zu drehen.

So wurde es möglich, die Handlung schneller voranzutreiben, da nicht mehr alles in den Bildern erzählt werden musste, sondern Informationen auch über Gespräche vermittelt werden konnten. Es entstand das Musical als neues Genre und eine neue Art der Komödie, in der es lustige und bissige Gespräche gab, während Slapstickfilme langsam verschwanden. Viele Schauspieler verloren ihren Job, weil ihre Stimme einfach nicht zu ihrem Bild passte, dafür fingen Schauspieler mit Theatererfahrung beim Film zu arbeiten an.

Der Tonfilm wurde als realistischer angesehen, also als lebensnäher, aber in der Anfangszeit hat der Ton das Bild erst einmal „unrealistischer“ gemacht. Die neuen Kameras waren nämlich sehr schwer und konnten nicht so einfach bewegt werden und auch die Schauspieler durften sich für eine gute Tonaufnahme nicht zu sehr bewegen. Auch wenn dieses Problem schnell gelöst wurde, traten danach neue Probleme auf, die sich auf die Filmherstellung auswirkten.

Sich mit der Geschichte des Tonfilms zu beschäftigen, ist also wirklich lehrreich, denn wer bisher dachte, dass Filmtechnik und Filminhalt nichts miteinander zu tun haben, der merkt schnell, dass es anders ist!