Filmlexikon

Vierte Wand

Was die Vierte Wand ist, lässt sich am besten mit einer Theaterbühne erklären. Da gibt es drei Wände – die Bühnenwände. Das sind die Rückwand und die beiden Seitenwände. Eine vierte Wand gibt es eigentlich nicht, weil die Bühne ja zum Zuschauerraum offen ist. Aber die Schauspieler stellen sich hier eine Wand vor, durch die sie das Publikum auch nicht sehen können. Für die Zuschauer ist die Grenze zwischen Bühne und Sitzreihen wie eine Wand mit einem riesigen Fenster, durch die sie die Schauspieler beobachten können. Es gibt also keine wirkliche Vierte Wand, sondern man stellt sich nur eine Wand vor.

Beim Film ist es schon etwas schwieriger zu sagen, was die Vierte Wand ist. Die Schauspieler spielen an einem Set und da gibt es keine Zuschauer. Sie können sich aber vorstellen, dass die Kamera die Vierte Wand ist und dass wir Zuschauer durch die Kamera zuschauen. Und wenn wir uns im Kino einen Film anschauen oder zu Hause auf dem Fernseher, dann blicken wir ja auch auf das, was die Kamera aufgenommen hat, nur dass wir es auf einer Leinwand oder einem Bildschirm ansehen. Beim Film ist also für die Schauspieler die Kamera und für uns Zuschauer die Leinwand oder der Bildschirm die Vierte Wand, durch die wir die Geschichte anschauen.

Und hast du es schon mal erlebt, dass du einen Film schaust und die Figur im Film auf einmal mit dir redet und dich anschaut? Dabei schaut der Schauspieler, der die Figur spielt, eigentlich nur direkt in die Kamera und spricht auch mit ihr. Wenn so was passiert, dann sagt man, dass die Figur die Vierte Wand durchbricht. Denn eigentlich soll der Schauspieler ja so tun, als gäbe es die Kamera nicht und als gäbe es auch keine Zuschauer auf der anderen Seite der Vierten Wand. Aber dadurch, dass er so tut, als ob er uns sieht, macht er die Vorstellung von der Wand, die uns voneinander trennt, kaputt.

Auf diese Weise kann die Figur der Erzähler ihrer eigenen Geschichte sein. Oder es kann uns zum Lachen bringen, wenn die Figur die Handlung auf einmal unterbricht, wie König Kuzco es in „Ein Königreich für ein Lama“ macht.