Quelle: G+J Entertainment Media / © 24 Bilder Filmagentur  
Tomboy (Quelle: G+J Entertainment Media / © 24 Bilder Filmagentur)

Tomboy

Mit Mädchensachen kann die zehnjährige Laure nicht besonders viel anfangen. Sie findet Jungs ohnehin viel toller. Kurzerhand stellt sie sich den anderen Kindern an ihrem neuen Wohnort als Michael vor. Verdacht schöpft niemand, denn mit den kurzen Haaren sieht Laure tatsächlich aus wie ein Junge.

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Eure Bewertung (20)

  • 4.5 von 5 Klappen
Ab 10 FSK 6

Beschreibung

Quelle: G+J Entertainment Media / © 24 Bilder Filmagentur

So beginnt Laure heimlich ein Doppelleben. Kaum hat sie das Haus verlassen, verwandelt sie sich in Michael. Die rosafarbenen Schnürsenkel ersetzt sie durch weiße, sie trägt weite Hosen und schneidert sich aus einem Badeanzug eine Badehose. Aufmerksam beobachtet sie, wie die anderen Jungen sich verhalten. Doch vor allem achtet sie sehr darauf, dass niemand von ihrem Geheimnis erfährt. Und das geht auch lange Zeit gut. So gut, dass sich die gleichaltrige Lisa sogar in Michael verliebt zu haben scheint.

Als Tomboy wird ein Mädchen bezeichnet, das sich anzieht und verhält wie ein typischer Junge. Laure ist so ein Tomboy. Dass sie in Wirklichkeit ein Mädchen ist, erfährst du im Film erst richtig nach einer Viertelstunde. Aber von Anfang an erlebst du die Geschichte, die so echt wirkt wie ein Dokumentarfilm, aus Laures Blickwinkel. So kannst du sehr gut verstehen, wie es ihr geht und was sie sich wünscht. Dabei macht sich der Film nie über Laure lustig, sondern nimmt sie sehr ernst. Ob sie mit ihrer Verkleidung nur spielt und einmal ausprobieren will, wie man sich als Junge verhalten muss und wie man von anderen gesehen wird, oder ob sie sich tatsächlich im falschen Körper fühlt, lässt „Tomboy“ offen.

Am Ende ist das auch nicht von Bedeutung. Wichtiger sind vielmehr die Fragen, die der sehr einfühlsam erzählte Film stellt: Muss man sich als Mädchen wie ein Mädchen und als Junge wie ein Junge verhalten? Was passiert, wenn man aus der Rolle fällt und sich nicht an diese „Regeln“ hält? Und vor allem: Wie willst du selbst sein?

Credits

Titel: Tomboy
Originaltitel: Tomboy
DVD-Start: 14.09.2012
Genre: Drama
Land: Frankreich
Jahr: 2011
Regie: Céline Sciamma
Darsteller:
Name Figur
Zoé Heran Laure/Michael
Malonn Lévana Jeanne
Jeanne Disson Lisa
Sophie Cattanie Laures Mutter
Mathieu Demy Laures Vater
Länge: 84
Farbe: Farbe
Altersempfehlung: 10
FSK: FSK 6

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Bewertung
+++Filmkommentar+++

Elterninfo

In ihrem zweiten Langfilm folgt die französische Regisseurin Céline Sciamma einem jungen Mädchen beim Ausprobieren geschlechtlicher Identität. Laure ist ein Tomboy, ein Mädchen, das sich eher für Jungsssachen interessiert und eine Gelegenheit dazu nutzt, dies immer weiter zu treiben. Das lässt ein wenig an „Mein Leben in Rosarot" denken, in dem ein Junge das Mädchensein erprobt. Die große Qualität von „Tomboy" ist, dass der Film Laure in ihrer Art porträtiert, aber nicht erklärt und dadurch in eine Schublade steckt. Ob Laures Verhalten darauf hindeutet, dass sie homo- oder transsexuell ist oder ob es nur eine Phase des Probierens ist, spielt keine Rolle. Man erlebt einfach ein Mädchen, das glücklich ist, sich wie ein Junge zu verhalten, das aber auch ein enges und durchaus inniges Verhältnis zur kleinen sehr mädchenhaften Schwester hat. Auch Laures Eltern haben keine Erwartungen, dass Laure sich mädchenhafter geben müsste, bis Laure die Grenze zur Lüge überschreitet. Dies ist dann ein Schreck für die Eltern und zeigt, dass Laures Freiheit dort endet, wo die Gesellschaft darauf reagiert. Ein sehr sehenswerter, die Gedanken anregender Film mit großartigen Kinderdarstellern und wunderbaren Bildern im Sommerlicht.

Weitere Informationen zu diesem Film finden Eltern und Pädagogen auf kinofenster.defiles/upload/images/bildmaterial_kooperationen/kinofenster/kinofenster_banner_156_130_jpg-1.jpg.
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