Die kleine Amélie oder der Charakter des Regens
Demnächst im Kino: 11.06.2026
Ein köstliches Stück belgischer Schokolade – und zack, werden die Lebensgeister in Amélie geweckt. Die ersten zweieinhalb Jahre ihres Lebens hat sich das Mädchen kaum bewegt und alles nur still beobachtet. Warum sollte sie auch etwas tun? Schließlich hielt sie sich für Gott. Doch dann, dank Omas Schokoladengeschenk, ändert sich alles. In Windeseile beginnt Amélie zu stehen, zu gehen, zu laufen, zu sprechen, zu schreien. So laut und so viel, dass eine Haushälterin her muss. Und die ist das zweite große Geschenk in Amélies Leben.

Nishio-san heißt die junge Frau, die sich von nun an um Amélie kümmert. Sie zeigt ihr alles: den Garten, die Tiere, wie man sich in Japan an Verstorbene erinnert, wie man Amélies Namen in japanischen Schriftzeichen schreibt – denn eigentlich kommt Amélies Familie aus Belgien. In Japan lebt sie gerade, weil der Vater dort arbeitet. Schnell werden Nishio-san und Amélie ein Herz und eine Seele. Und auf einmal wächst in Amélie ein Wunsch: Sie will all diese schönen Erfahrungen aufheben. Nur: Wie geht das? Und kann man die eigenen Erlebnisse vielleicht auch mit anderen teilen?
Jetzt fragst du dich vielleicht: Soll ich mir ernsthaft einen Film angucken, in dem ein zweieinhalbjähriges Kleinkind die Hauptrolle spielt? Wir sagen: Versuche es doch bitte. Denn dieser Zeichentrickfilm ist einfach sehr, sehr schön. Er erzählt darüber, wie wichtig es ist, sich neugierig in der Welt umzusehen und nicht einfach nur gleichgültig zu sein. Denn schließlich gibt es so viel zu entdecken! Und meist tun wir das eben auch nicht allein, sondern gemeinsam mit anderen Menschen. Das lernt auch Amélie. Am Anfang denkt sie, es gebe nur sie. Dann merkt sie, dass es viel schöner ist, mit anderen Menschen verbunden zu sein.

Traumhaft führt der Film durch Amélies Welt. Wir hören durch einen Kommentar, was sie denkt. Und sehen dabei, wie sie die Welt wahrnimmt. Das muss nicht immer so sein, wie die Welt wirklich aussieht. Deshalb kann Amélie etwa auch den Nebel wegpusten oder das Wasser teilen. Vor allem aber lenkt der Film unseren Blick auf die kleinen Dinge, macht diese sichtbar und bewahrt sie vor dem Vergessen. Wenn Amélie groß ist, wird sie alles in sich tragen, was sie erlebt, gesehen und gefühlt hat.




